Neun Jahre Engagement fürs Gemeinwohl
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- 26. Nov.
- 3 Min. Lesezeit
Neun Jahre Engagement, Verantwortung und Herzblut: Gemeindeammann Roland Kuster zieht Bilanz und blickt dankbar auf eine bewegte Amtszeit zurück, in der er Wettingen gemeinsam mit vielen Menschen geprägt hat.
Roland Kuster, erinnern Sie sich noch an ihren ersten Arbeitstag als Gemeindeammann von Wettingen? Ja, am 1.1.2017 frühmorgens um 7 Uhr, traf ich Werkhofmitarbeiter Serge vor dem Rathaus. Er reinigte den Platz von den Rückständen der Silvesteraktivitäten. Später am Tag durfte ich einer Jubilarin zu ihrem 100. Geburtstag gratulieren. Beides waren Begegnungen, die ich immer in Erinnerung behalten werde.
Was waren damals die brennenden Themen?
Gewisse damalige Themen leben bis heute weiter: der Kampf um den Steuerfuss, die massgeschneiderte Schulinfrastruktur, die Entwicklung des Bahnhofareals und die allgemeine Nutzungsplanung.
Wie war der Wechsel vom Gemeinderat zum Gemeindeammann?
Ich war schon als Gemeinderat bei meinem Vorgänger Markus Dieth in viele Themen involviert. Meine Managementerfahrung aus meiner vorherigen Tätigkeit haben mir den Einstieg als Gemeindeammann erleichtert.

Letzte Tage in seinem Büro im Gemeindehaus in Wettingen: Roland Kuster schaut nochmals auf seine erfolgreichen Jahre als Gemeindeammann zurück.
Was sind die grossen Eckpfeiler, welche Sie einschlagen konnten?
Da gibt es mehrere. Es ist uns gelungen je mit deutlichem Ja-Stimmenanteil, das ehemalige EWW und das Tägi in zwei gemeindeeigene Aktiengesellschaften zu überführen. Die mehrjährigen Planungsarbeiten mit vier Investoren auf dem Bahnhofsareal, konnten 2025 mit der Erteilung der Baubewilligung abgeschlossen werden. Heute stehen die Bagger für den Baustart bereit, ein neues Quartier entsteht. Nach vielen Diskussionen im Einwohnerrat zu einzelnen Schulinfrastrukturvorhaben, ist es vor drei Jahren gelungen, mit der Masterplanung Schulrauminfrastruktur ein Gesamtbild über alle Schulstandorte aufzuzeigen. Die positiven Reaktionen aus dem Einwohnerrat und den Schulleitungen haben gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Einen letzten grossen Pflock gilt es mit der Ansiedlung eines internationalen Industriekonzerns einzuschlagen.
Darunter ist auch die Revision der Allg. Nutzungsplanung (ANUP). Warum ist diese so zukunftsweisend? Sie ist zentral für die künftige massvolle Entwicklung der Gemeinde. Sie bildet eine grundeigentümerverbindliche Grundlage für Immobilienbesitzer und Investoren, wobei der Sicherung des Freiraums, der Ökologie und den neuen Ansprüchen der Bevölkerung für ein lebenswertes Wettingen Rechnung getragen wird. Das prognostizierte Wachstum soll in kontrolliertem Rahmen stattfinden können.
Warum tut sich Wettingen schwer damit, den Steuerfuss zu erhöhen?
Steuerfusserhöhungen sind per se nie einfach umzusetzen. Das sehen wir auch in anderen Gemeinden immer wieder. Mit der zweckbestimmten Verwendung im Umfang von drei Steuerprozenten für die Schulrauminfrastruktur ist die Erhöhung für das Jahr 2025 ja beinahe gelungen.
Was für ein Steuerfuss wäre für Wettingen realistisch?
Der Steuerfuss bezeichnet den Anteil am Steuersubstrat aller Steuerpflichtigen, mit dem die vom Einwohnerrat und der Bevölkerung bestellten und von Gesetz und Richtlinien vorgeschriebenen Abgaben und Leistungen zu decken sind. Je mehr vom Souverän gefordert, desto höher fallen die Ausgaben an. Steuern auf Vorrat zu erheben ist nicht rechtens. In der Konsequenz würde ein jährlich veränderter Steuerfuss nötig sein. Es wäre begrüssenswert, in Phasen mit hohem Investitionsbedarf (bspw. für Schulinfrastrukturvorhaben), den Steuerfuss bedarfsgerecht anzuheben, um diesen in Zeiten mit weniger Investitionen wieder senken zu können. Wettingen sollte jährliche Investitionen von rund 12-15 Mio. Franken eigenfinanziert realisieren können. Hätte der Steuerfuss schon vor Jahren um 3–4 % angehoben werden können, wäre die Schuldenlast massiv tiefer und die angestrebte Eigenfinanzierung erfüllt.
«Einen letzten grossen Pflock gilt es mit
der Ansiedlung eines internationalen
Industriekonzerns einzuschlagen.»
Das politische Klima hat sich verändert. Wie nehmen Sie die Veränderung auf Gemeindeebene wahr? Ich stelle fest, dass die Eigeninteressen seit Corona viel vehementer vertreten werden und der Gemeinschaftssinn und die Solidarität sinken. Tragfähige und zielführende Lösungen zu finden, dauert viel länger als früher.
Was haben Sie als Gemeindeammann immer gerne gemacht?
Die Antwort ist einfach: Ich habe das gesamte Spektrum meiner Aufgaben geliebt! Zentral war für mich stets das Wohl und die Zukunft der Wettinger Bevölkerung im Auge zu behalten.
Welches war in Ihrer Amtszeit das Highlight?
Da gab es, neben denoben erwähnten Eckpfeilern, viele besondere Momente. In sehr guter Erinnerung behalte ich die vielen persönlichen Begegnungen mit den Wettingerinnen und Wettingern, mit meinen Mitarbeitenden und die Zusammenarbeit mit vielen regionalen und kantonalen Institutionen. Absolut beeindruckend war der herzerwärmende Besuch bei einer 106-jährigen Jubilarin während der Coronazeit. Nicht missen möchte ich zudem, und das mag erstaunlich sein, die über 400 intensiven und oft kontrovers verlaufenen Gemeinderatssitzungen. War mal entschieden, galt der Entscheid für alle. Diese Qualität der engen und vertrauenswürdigen Zusammenarbeit werde ich in bester Erinnerung behalten.
Was weniger?
Mich ärgert, dass es uns nicht gelungen ist, den Steuerfuss anzuheben und so unseren Nachfolgerinnen und Nachfolgern mehr finanziellen Spielraum zu geben.
Was werden Sie vermissen?
Meine engagierten Mitarbeitenden, die täglich für das Wohl von Wettingen besorgt sind. Mein Trost ist, dass sie dies auch nach meinem Abgang weiterhin mit grosser Motivation tun werden!
Was möchten Sie der Wettinger Bevölkerung noch auf den Weg geben?
Da zitiere ich gerne J.F. Kennedy: «Fragt nicht, was Wettingen für euch tun kann, sondern fragt, was könnt ihr für Wettingen tun.»
Interview: Katja Bopp Bilder: Christian Doppler

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