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Ein Briefwechsel unter Nachbarn im Herbst

Simon Libsig ist Wortzauberer, Autor und Geschichtenerzähler. Neben Auftritten und journalistischen Publikationen veröffentlicht Libsig Tonträger und Bücher und tritt auch mit eignen Produktionen im Kurtheater Baden auf.


Lieber Herr Nachbar

Ich erLAUBe mir, Sie darauf aufmerksam zu machen, dass es Herbst geworden ist und Ihr Laubbaum wieder einmal grossflächig über die Hecke zu mir herüber LAUBT!

Mit VerLaub, das gurkt mich langsam an, bitte tun sie etwas dageben.

Mit Grüssen N. Schwade


Liebe Frau Nachbarin

Das Laub meines Baumes scheint Ihnen ja geradezu den letzten Nerv zu LAUBen. Ha! Das freut mich. Dann wissen Sie jetzt, wie es mir geht, mit den Gäggeln Ihrer Katze. Und grossflächig ist da noch untertrieben! Was geben Sie dieser Katze zu futtern? Gammelfleisch mit Rizinusöl?! Die pfläddert mir den ganzen Rasen voll, entleert sich alle paar Meter. Sie haben das Wort «Auslauf» wohl falsch verstanden. Sammeln Sie diese Stinkbomben ein, sonst werde ich ungemütlich.

Ohne Grüsse G. Witter


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Herbstliche Nachbarschaftsgrüsse: Ein humorvoller Briefwechsel von Wortzauberer Simon Libsig


Lieber Herr Nachbar

Kein Ahnung, wovon Sie reden. Ich habe gar keine Katze! Hingegen habe ich Ihre Kinder schon mehrmals auf der Wiese und im Gebüsch hocken sehen. Jetzt weiss ich auch, was die da tun. Pfui deibel! Kein Wunder scheisst, pardon, schiesst der Laubbaum so in die Höhe. Ich habe Ihr Laub nun auf meiner Seite der Hecke zu einem Haufen (und bei «Haufen» denke ich gleich wieder an ihre Kinder) zusammen gerecht und angezündet. Ich hoffe, der Rauch zieht schön zu Ihnen rüber, vielleicht tilgt er dann auch gleich ein wenig den Gestank.

Gr. N. Schwade


Bravo, liebe Frau Nachbarin

Ich bin eben von der Notaufnahme zurück. Der Sohn meiner Lebenspartnerin muss über Nacht dort bleiben, Verdacht auf Rauchvergiftung. Meine Tochter, aus erster Ehe, die übrigens noch nie im Garten war, seit wir hier eingezogen sind, geht mir währenddessen zur Hand. Sie ist eine wahnsinnig gute Drohnen-Pilotin. Erwarten Sie Luftpost.

Ich habe mich sogar dazu hinreissen lassen, selber noch ein Robidog-Säckli zu füllen!

G. Witter


Herr Witter!

Das geht zu weit. Mein Dachfenster stand noch offen. Und dort drunter ist das Gästezimmer. Wie bei Ihnen. Wissen Sie doch. Sie schlafen ja immer im Gästezimmer. Also kommen Sie mir nicht mit Lebenspartnerin, da läuft doch schon lange nichts mehr. Jedenfalls nicht mit Ihnen. Ha! Wessen Auto ist das eigentlich, das jeweils in der Einfahrt steht, wenn Sie am Donnerstag nicht von Zuhause aus arbeiten? Na ja, geht mich ja nichts an. Die Rechnung für die chemische Reinigung des Bettbezuges und für das Abschleifen vom Parkettboden kriegen Sie direkt von meinem Anwalt zugeschickt.

N. Schwade.


Liebe Frau Schwade

Drückt Ihnen der Nebel auch so auf die Schüssel? Ich befürchte, unsere Herbstverstimmung hat uns da in eine etwas ungesunde Richtung geschubst. Nichts für Ungut. Und es gehören ja immer auch zwei dazu, nicht wahr? In diesem Sinne, kommen Sie gut durch die dunkle Zeit. Mein Sohn und ich fahren jetzt Richtung Süden. Wir überwintern irgendwo, wo es wärmer ist. Ihr Auto bringe ich dann im Frühling wieder zurück. Vielleicht können wir dann nochmals einen Neustart machen. Auf eine gute Nachbarschaft im Neuen Jahr.

G. Witter


Mehr von Simon Libsig: www.simon-libsig.ch

 
 
 

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