«Ich sauge gerne Informationen auf»
- Handballworld AG

- 26. Nov. 2025
- 7 Min. Lesezeit
Fabian Unteregger ist hauptberuflich Comedian, doch eigentlich reichen seine Kompetenzen für mehrere Leben. Der 48-jährige Zürcher spricht über Scherze am Telefon, heikle Momente am Frühstücksbuffet, spannende Innovationen im Gesundheitswesen und er verrät, dass er etwas schon immer sehr gerne getan hat: Andere Menschen imitieren.
Sie sind erstmals seit fünf Jahren wieder mit einer Show auf Tour, und zwar mit dem Programm «Fachkräftemangel». Sind die Blockflötengesichter bereit dazu?
Fabian Unteregger: (schmunzelt). Total. Ich habe das Gefühl, sie
dürsten danach und das ist lässig.
Den Begriff Blockflötengesichter schuf einst Musiker Chris von Rohr. Was meinte er damit?
Meine Interpretation: Damit meinte er wohl den oder die Biedere, die
zu Hause hockt. Ich finde den Begriff per se schön und lustig. Auch
ich bin jeden Tag ein wenig Blockflötengesicht.
Sprach er womöglich auch die zuweilen etwas verkniffen dreinschauenden Schweizer an?
Das könnte sein. In England ist der Humor bei den Leuten weiter oben in der Prioritätenliste. Es ist ziemlich schwierig, einen Engländer zu beleidigen. Sie nehmen einen auch mit Humor in Empfang. Als ich einmal in einem Vorort von London auf den Zug wartete, kamen zwei Typen zu mir und sagten: «Du hast Dein Portemonnaie verloren.» Als ich nach unten schaute, meinten sie: «Erwischt!».

Fabian Unteregger, Arzt, Lebensmittelingenieur, Pilot und Comedian, vereint Humor und Vielseitigkeit auf der Bühne
Wann haben Sie festgestellt, dass Sie zum Komiker geschaffen sind?
Ich hatte es immer gerne lustig. Zu Unterhaltungszwecken stellten meine Klassen-Gspändli stets mich nach vorne. Etwa in der Primarschule, als ich am Klavier «Great Balls of Fire» von Jerry Lee Lewis zum Besten gab. An der Maturafeier beorderten sie mich für die Rede ebenso auf die Bühne, wie nach meinen Studien als Lebensmittelingenieur und der Medizin. Die Leute sahen offenbar etwas in mir.
Sie selber auch?
Ich habe einfach gerne Leute unterhalten. Die Frage war vielmehr: Wie stelle ich etwas kommerziell auf die Beine, um nachhaltig davon leben zu können, für das es so keine Ausbildung gibt? Letztlich war es wie in der Software-Entwicklung: Trial and Error, Versuch und Irrtum. Comedy ist ein Erfahrungsgeschäft.
In der Rekrutenschule imitierten Sie Hauptmann Bürki… «Kompanie daher!» Er hatte eine sehr hohe Stimme. Wenn er an einer Zugsübung beim Panzerschiessen einmal eine Pause machen wollte, hat das keiner gemerkt, weil es dank mir am Funk nahtlos weitergegangen ist (lacht).
«Letztlich war es wie in der Software-Entwicklung: Trial and Error, Versuch und Irrtum. Comedy ist ein Erfahrungsgeschäft.»
Fabian Unteregger
Handelte Ihnen dies keine Probleme ein?
Im Gegenteil: Sämtliche Kaderleute aus dem Militär waren schon in meiner Show. Und Hauptmann Bürki, der Anwalt ist, hat mich auch schon gebucht. Wir verstehen uns gut.
Spielten Sie anderen schon immer gerne Streiche?
Selbstverständlich. Wenn es mir in der Primarschule langweilig war, nahm ich den Telefonhörer in die Hand. Ich bestellte jemandem den Schlüsseldienst nach Hause, oder verkündete: «Gratuliere, Sie haben eine Reise nach Mallorca gewonnen.» Die Menschen freuten sich riesig, und deshalb freute ich mich auch.
Und dann haben Sie aufgehängt?
Dann sagte ich ihnen, dass sie die Reise am Reiseschalter von Jelmoli einlösen können. Erst dann legte ich den Hörer auf. Was danach geschah, entzieht sich meiner Verantwortung (lacht).

Fabian Unteregger am 11. Dezember 2025 – Comedy mit „Fachkräftemangel“ im Kurtheater Baden
Den Durchbruch als Comedian schafften Sie 2008 bei «Giacobbo/ Müller» mit einer Parodie auf SVP Nationalrat Christoph Mörgeli. Trotzdem begannen Sie ein Medizinstudium. Weshalb?
Ich habe lieber Interdisziplinarität als Monothematik. Die 18-Stunden- Tage waren kein Problem, weil ich zwei Leidenschaften verbinden konnte. Es gab Tage, da hatte ich am Vormittag Vorlesungen, am Nachmittag Kurs im Präpariersaal, am Abend folgten zwei Shows hintereinander. Zwischendurch erholte ich mich in der Uni auf drei Stühlen: Einer für den Kopf, einer für den Hintern, einer für die Beine. Ich kann meine Agenda glücklicherweise selbst bestimmen. Das ist ein riesiges Privileg, das die meisten Menschen auf diesem Planeten nicht haben. Dafür bin ich sehr dankbar.
Praktizieren Sie weiterhin als Arzt?
Im Moment nicht, heute bin ich in erster Linie Comedy-Unternehmer. Aber ich habe als Mediziner im Notfall gearbeitet. Das kam mir vor eineinhalb Jahren in den Sommerferien entgegen. Am Frühstücksbuffet kollabierte eine Frau Mitte vierzig, kurz darauf fand ich mich in der Herzmassage wieder. Sie hat ohne Folgeschäden überlebt, für solche Momente ist es Gold wert. Zudem gründete ich den grössten Healthcare-Startup-Verband mit. Wir fördern Innovation und haben über 700 Startups auf dem Radar.
Zum Beispiel?
Rollstühle, welche die Treppe runterfahren können. Oder eine ununterbrochene Temperaturmessung im Spital, die es ermöglicht, eine klinische Eskalation vorherzusehen. Ein Parkinson-Patient hat derweil das Problem, dass er plötzlich still steht. Nun gibt es eine Firma, welche die Sohle eines Schuhs stimuliert. Resultat: Der Patient kann wieder gehen.
«Es phänomenal schön, dass die Leute in meine Show kommen und das Wertvollste in ihrem Leben investieren: ihre Zeit.»
Fabian Unteregger
Sie sind Comedian, Lebensmittelingenieur und Doktor der Medizin, zudem verfügen Sie über eine Privatpiloten- und Bootsführerlizenz. Das reicht doch für mehrere Leben…
Ich finde nicht. Ich gehe gerne in die Tiefe, ich sauge gerne Informationen auf. Ich hatte schon immer ein grosses Interesse am Menschen und an Naturwissenschaften, an Zusammenhängen, Unterhaltung und Unternehmertum. Das kommt jetzt alles zusammen, und bereitet mir Freude. Wenn andere in der Beiz waren, sass ich möglicherweise hinter einem Buch. Lernen ist etwas vom Schönsten, das es gibt. Im Moment bin ich an einer Fremdsprache.
An welcher?
Arabisch.
Was heisst «Guten Tag, Stephan» auf Arabisch?
Keifa haluka, yä äsiiisi Stephan.
Und welche Sprachen beherrschen Sie bereits?
Verständigen kann ich mich auf Deutsch, Schweizerdeutsch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Schwedisch und bald hoffentlich auch auf Walliserdeutsch. Letztere ist die schwierigste (lacht).
«Zum Glück ist Freitag», so heisst Ihre Sendung auf SRF 3. Gilt das auch für Sie persönlich?
Tatsächlich ist der Freitag ein eher anstrengender Tag. Tagwache ist um 4.45 Uhr, um 6.20 Uhr bin ich im Studio von SRF 3. Der Tag endet gern mit einer abendfüllenden Solo-Show, nach der ich das Theater um 23 Uhr verlasse. «Zum Glück ist Freitag» bedeutet für mich jedoch ein riesiges Privileg. Diese Plattform haben zu dürfen, ist toll und gleichzeitig ist es phänomenal schön, dass die Leute in meine Show kommen und das Wertvollste in ihrem Leben investieren: ihre Zeit.
Welchen Nationaltrainer im Fussball imitieren Sie am liebsten?
Lustigerweise haben die alle einen relativ hohen Unterhaltungswert. Aber über den Aktuellen bin ich auch comedytechnisch nicht ganz undankbar.
Murat Yakin, wieso?
Aaaaaaah. Es freut mi, do tsi. Aaaaaah. Guete Obe. Aaaaaah. Chum, mer göhn go trainiere. Aaaaaaah.
Wen imitieren Sie am liebsten?
Ich habe keinen Favoriten. Es muss einfach eine Figur sein, die funktioniert. Bei SRF 3 sind es mittlerweile über 80 Figuren, die ich imitiert habe. Wenn ich beispielsweise Berni Schär oder Felix Blum treffe, kann ich so reden, wie sie (schmunzelt). Das Gute ist, dass sie alle einen recht guten Humor haben.
Gibt es von einem Imitierten auch mal eine Beschwerde?
Eigentlich nicht. Aber Alt-Bundesrat Moritz Leuenberger sagte einmal, dass er sich in keiner Art und Weise in dieser Parodie sähe. Aber wir haben uns ausgesprochen, wir verstehen uns gut. Und die Frau von Alain Sutter traute der Sache nicht über den Weg. Aber ich traue dem Fussball-Business ja auch nicht über den Weg (lacht).
Und wer funktioniert nicht?
Ich wüsste von niemandem. Entweder ist die Figur unterhaltsamer oder nicht.
Wie gehen Sie dabei vor?
Es braucht eine gewisse Veranlagung, analytische Schärfe und ein Kommittent für Qualität. Es ist, als ob ich die Person aufsaugen würde. Dabei muss es Charme haben, und einen guten Vibe.
Wie stiessen Sie auf dieses Talent zur Imitation? Oder taten Sie es, um Ihrem Zürcher Dialekt zu entfliehen?
Nein, überhaupt nicht, ich würde keinem Dialekt entfliehen wollen, im Gegenteil. Ich machte in der Kanti Lehrer nach, in der RS das Kader, an der Uni die Professoren. In meinem Verwandten- und Bekanntenkreis kann ich Gespräche führen, ohne dass sie anwesend sind, weil ich genau weiss, was und wie sie es sagen würden. Fehlt jemand in einem Zoom-Call, den ich gut kenne, rede ich einfach wie er.
«In meinem Verwandten- und Bekanntenkreis kann ich Gespräche führen, ohne dass sie anwesend sind, weil ich genau weiss, was und wie sie es sagen würden.»
Fabian Unteregger
Doch es ist nicht nur die Imitation. Was macht Ihre Comedy generell aus?
Ein extremes Kondensat, sehr dicht, relevant, auf den Punkt gebracht, frech, sehr ehrlich, aber lustig. Ich versuche eine Comedy zu machen, die eine Relevanz hat. Die Basis ist gute Stand-Up-Comedy, wobei ich nur ein Mikrophon brauche. Ich möchte eine hohe Affinität zum Publikum haben. Ich thematisiere Alltägliches, wo man sich wiederfindet. Die Leute sollen merken: «Ah, den Scheiss aus meinem Alltag kennt der also auch.»
Gibt es für Sie auf der Bühne ein absolutes Highlight?
Generell, wenn ich merke, dass die Leute viel Freude hatten. Wenn ich ein E-Mail bekomme, wie: «Vor einem Monat ist meine Frau an Krebs gestorben, heute konnte ich erstmals wieder lachen», ist das schon etwas Besonderes. Oder wenn ein Unternehmer sagt, dass er wegen meiner Show im Radio auf den Pannenstreifen fahren muss, weil er wegen seines Lachens nicht für die Verkehrssicherheit garantieren kann.
Und wenn Sie sich am Ende der Show von jedem Gast persönlich verabschieden, blicken Sie immer noch in Blockflötengesichter?
Nein, dann haben sie Freude und schauen aus wie Trompeten-Mäuler (lacht).
Am 11. Dezember im Kurtheater Baden
Er ist Arzt, Lebensmittelingenieur, Bootsführer, Pilot, vor allem aber ist er Comedian: Fabian Unteregger. Der 48-jährige Zürcher steht seit rund 20 Jahren auf der Bühne. Aktuell ist er mit seiner neuen Show «Fachkräftemangel» auf Tour, welche am 11. Dezember im Kurtheater Baden gastiert. «Im Bundesrat leiten Menschen Departemente, wofür sie nicht ausgebildet sind. Der Schulunterricht muss auf lange Sicht auf YouTube-Tutorials umgestellt werden. Beim FC Sion gibt’s an der Seitenlinie einen Schleudersitz. Auf dem Bau, in der Gastronomie und bei der TV-Wetterprognose fehlen Fachkräfte natürlich auch» – so wird das abendfüllende Programm angepriesen. Daneben ist der Prix-Walo-Träger (2016) jeden Freitagmorgen mit seinem Programm «Zum Glück ist Freitag» live auf SRF 3 zu hören. Im Weiteren ist er Mitbegründer von Swiss Healthcare Startups, das Startups im Gesundheitswesen fördert. Zu seinem Privatleben gibt er wenig preis, mit einer Ausnahme: eine ausgesprochene Schwäche für gutes Frühstück.
Interview: Stephan Santschi Bild: zVg.

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