Kanonenschüsse und ein Sieg beim späteren Meister


Der FC Baden feiert in diesem Jahr sein 125-jähriges Jubiläum, unter anderem mit den Aargauer Cupfinaltagen am 25. und 26. Mai im Stadion Esp. Der Verein setzt heute stark auf die Nachwuchsförderung und will den Aufstieg in die Promotion League schaffen. Gegründet wurde der FCB 1897 von jungen Engländern.


Text: Reto Pfister Bilder: zVg.


Nirgendwo wurde im Kanton Aargau früher Fussball gespielt als in Baden. Junge Engländer, viele davon Angestellte der Brown Boveri, gründeten 1897 den FC Baden. Erst waren die Pioniere von der Insel unter sich, danach schwappte die Begeisterung für das neue Spiel mit dem runden Leder auf die jungen Einheimischen über. Der neue Verein war rasch erfolgreich. Um 1900 soll sich diese Geschichte zugetragen haben: Ein Förderer des FC Baden hatte in seinem Garten einen Mörser aufgestellt. Nach jedem Torerfolg des FCB liess man vor lauter Euphorie und Glücksgefühlen einen Kanonenschuss los. Bei einem 18:0-Sieg soll vor lauter Knallerei das Pulver ausgegangen sein….


Bereits in der Saison 1906/07 klopfte der FCB an die Türe der höchsten Schweizer Liga an. 1907 liess der Verband trotz des Gewinns der B-Meisterschaft den Verein noch nicht in die A-Klasse aufsteigen, erst ein Jahr später war es soweit. Baden spielte fortan für zehn Jahre in der höchsten Spielklasse, was jedoch mit grossen Kosten verbunden war, die von den Spielern selbst getragen werden mussten. 1918 war der Abstieg nicht mehr zu vermeiden, ja es musste gar der Spielbetrieb vorübergehend eingestellt werden. Das provisorisch benützte Spielfeld in Killwangen stand nicht mehr zur Verfügung, alle anderen Plätze konnten wegen der Anbauschlacht

am Ende des 1. Weltkrieges nicht mehr benützt werden. Der FCB musste alle Spiele forfait geben und verlor auch die Relegationsspiele gegen die Young Fellows aus Zürich sowie Montreux, weil nicht mehr genügend Spieler zur Verfügung standen. 1921 konnte dann mit dem Sportplatz Scharten (heute in Wettingen) ein eigenes

Spielfeld bezogen werden; der Scharten war fortan für 67 Jahre die Heimat des FC Baden. Mit der Zeit wurde aus dem Scharten ein zeitgemässes, modernes Stadion. 1948/49 wurde eine Tribüne gebaut, 1958 eine Fluchtlichtanlage installiert. Dadurch konnte das halbe Dutzend Aktiv-, Junioren- und Seniorenmannschaften auch

abends trainieren.


Das NLA-Abenteuer dauerte nur ein Jahr

In den letzten Jahren auf dem Scharten machte der FCB nochmals auf höchster nationaler Ebene auf sich aufmerksam. 1979 stieg Baden in die NLB auf. Am Mittwoch, dem 19. Juni 1985, wurde der grösste sportliche Exploit in der Vereinsgeschichte Tatsache: Dank einem 4:1-Sieg gegen Martigny schaffte die erste Mannschaft unter der Führung von Trainer Erwin Hadewicz und vor allem dank Goalgetter Vito Allegretti den sensationellen Aufstieg in die Nationalliga A. Mit dem FC Aarau, dem FC Wettingen und dem FC Baden waren erstmals gleich drei Aargauer Klubs in der höchsten Spielklasse des Schweizer Fussballs vertreten. Das Abenteuer NLA dauerte

allerdings nur eine Saison. Der FCB war in der obersten Liga nichtkonkurrenzfähig. Ein einziger Sieg gelang, im November 1985 auf schneebedecktem Terrain auswärts im Berner Wankdorf-Stadion, mit einem 1:0 beim späteren Meister YB.


Schon damals war klar, dass der Scharten nicht mehr lange Heimstätte des FC Baden sein konnte. Das Gelände war verkauft worden und sollte ursprünglich überbaut werden; heute trägt dort Juventina Wettingen seine Heimspiele aus. 1988 konnte im Gebiet Esp in der Gemeinde Fislisbach die Spielstätte bezogen werden, auf

der der Verein auch heute noch seine Partien austrägt. 2010 wurde erstmals ein Kunstrasen verlegt, 2021 erneut, der einen Trainings- und Spielbetrieb auch im Winter zulässt. Eine Rückkehr in den professionellen Fussball ist heute für den FC Baden kein Thema mehr. Sehr gross geschrieben wird die Nachwuchsförderung, über 400 Juniorinnen und Junioren spielen beim FCB Fussball. «Wir wollen für den Nachwuchs sowohl Breiten- wie Spitzensport anbieten», sagt Präsident Heinz Gassmann. Sehr stark setzt der Verein auf im Aargau ausgebildete Fussballer; auch die Spieler der ersten Mannschaft stammen zu grossen Teilen aus dem Kanton.


Im Spätherbst soll ein Buch erscheinen

Zum 125-jährigen Jubiläum möchte der FC Baden gerne, im mittlerweile, 8. Versuch, den Aufstieg schaffen und fortan in der Promotion League spielen. Der Verein ist heute kerngesund, nachdem er 2018 finanziell angeschlagen war und eine rasche Sanierung notwendig wurde. Heinz Gassmann übernahm ein zweites Mal das

Präsidium. «In der Promotion League würden einige 10'000 Franken Mehrkosten gegenüber einer 1.-Liga-Saison anfallen», sagt Gassmann. In dieser Spielklasse sieht sich der FCB auch in Zukunft. Kein Thema hingegen ist die Challenge League, dies wäre nicht finanzierbar. Das Jubiläum wird von zahlreichen Feierlichkeiten begleitet, unter

anderem hat der Aargauer Fussballverband AFV dem FC Baden die Austragung der Aargauer Cupfinalspiele (Junior:innen, Senioren, Aktive Frauen und Männer bis 2. Liga) übergeben. Diese finden am Mittwoch 25. und 26. Mai 2022 (Auffahrt) im Stadion Esp statt und locken jeweils weit über tausend Fussballfans an. Die genauen

Anspielzeiten und Paarungen können auf www.afv.ch eingesehen werden. Im Spätherbst soll auch ein Buch über die Vereinsgeschichte erscheinen, als «Zeitdokument», wie es Präsident Gassmann ausdrückt. Weitere News und Infos zum FC Baden finden Sie auf www.fcbaden1897.ch.



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