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Shoppi Tivoli: Wandel statt Krise

  • 2. Juni
  • 4 Min. Lesezeit

Das Shoppi Tivoli zeigt, dass stationärer Handel funktioniert – wenn das Konzept stimmt. Mit mehr als sieben Millionen Besuchern jährlich und Fokus auf Erlebnis, Gastronomie und Services setzt das Center auf Wandel statt Krise und denkt sich konsequent als lebendiges Quartier neu. CEO und Centerleiter Patrick Stäuble gibt Einblick in Strategien, Trends und warum Lage und Offenheit gegenüber Neuem relevant sind.


Patrick Stäuble, CEO und Centerleiter des Shoppi Tivoli Spreitenbach.


Viele sprechen vom «Sterben des Detailhandels». Sie führen das grösste Einkaufszentrum der Schweiz sehr erfolgreich, wie geht es dem Shoppi Tivoli aktuell?

Das «Sterben» sehe ich so nicht. Was wir erleben, ist eine Transformation und ja, an gewissen Standorten einen Rückgang der Retailer. Dem Shoppi Tivoli geht es aktuell sehr gut. Wir liegen 2026 deutlich über dem Markt, während der Schweizer Detailhandel bei rund 101–103 Prozent wächst, sind wir bei etwa 106–107 Prozent. Das zeigt auf, dass gute Standorte mit klarem Konzept funktionieren. Der Unterschied liegt nicht mehr im Ob, sondern im Wie.


Wie sind die Erfahrung mit der neuen Organisationsstruktur?

Sehr positiv. Wir haben bewusst alles aus einer Hand organisiert, Center, Wohnen und Büro. Früher wurde in Silos gedacht, heute denken wir das ganze Areal als Quartier. Das ermöglicht schnellere Entscheidungen, klarere Verantwortlichkeiten und vor allem bessere Lösungen für Kunden und Mieter. Das ist für mich ein zentraler Erfolgsfaktor.


Wie viele Kundinnen und Kunden besuchen das Shoppi Tivoli und wie sieht die Umsatzentwicklung aus? Wir sprechen von über 7 Millionen Besucherinnen und Besuchern pro Jahr. An Spitzentagen bewegen wir uns im Bereich von über 50’000 Personen. Beim Umsatz haben wir 2025 einen Index von über 103 gegenüber dem Vorjahr erreicht und lagen 2 Prozent über dem Marktwachstum.


Sie setzen stark auf Events, Gastronomie und Dienstleistungen. Ist klassischer Retail allein heute überhaupt noch überlebensfähig?

Allein? Nein. Klassischer Retail mit einem klaren USP bleibt wichtig, aber es reicht nicht mehr. Der Kunde erwartet heute mehr: Erlebnis, Aufenthaltsqualität, Service. Gastronomie, Events und Dienstleistungen sind keine «Nice-to-have» mehr, sondern ein Muss. Sie bringen Frequenz und ohne Frequenz funktioniert auch Retail nicht. Die Läden eröffnen heute da, wo sich die Menschen aufhalten.


Sie haben viele Begegnungszonen mit Sitzgelegenheiten und Gastro-Angeboten. Suchen die Menschen wieder mehr die Gemeinschaft?

Absolut. Ein Einkaufszentrum ist heute ein Ort der Begegnung. Menschen kommen nicht nur zum Einkaufen, sondern zum Verweilen, Treffen, Essen. Wir sehen klar: Die Leute suchen wieder Gemeinschaft. Deshalb investieren wir bewusst in Aufenthaltsqualität mit Sitzgelegenheiten, Aussenplätzen, Gastronomie und Dienstleistungen.


Wenn wir 10 Jahre in die Zukunft schauen, wie wird das Shoppi Tivoli als Einkaufszentrum dastehen?

Der Handel lebt, aber er hat sich in den letzten zehn Jahren stark verändert. Wo wir in zehn Jahren stehen, kann ich nicht abschliessend sagen. Was ich aber sagen kann: Wir beobachten den Markt sehr genau, entwickeln uns laufend weiter und passen uns konsequent an. Wir denken nicht in Silos, sondern ganzheitlich. Genau diese Offenheit und Beweglichkeit war in den letzten 10 Jahren entscheidend und wird entscheidend sein, damit das Shoppi Tivoli auch in zehn Jahren erfolgreich sein wird.


Wie wichtig ist der Bereich Nachhaltigkeit? Das Thema Umwelt gewinnt zunehmend an Bedeutung. Sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen setzen sich immer stärker mit ihrem ökologischen Fussabdruck auseinander. Genau dort setzen wir schon mehr als 10 Jahre an. Wir achten gezielt darauf, die Technik im Center möglichst umweltfreundlich einzusetzen, den Energie- und Wasserverbrauch kontinuierlich zu reduzieren und mit modernen, effizienten Technologien zu arbeiten. Gleichzeitig investieren wir bewusst, beispielsweise mehrere Millionen in Infrastruktur, Energieoptimierungen oder die Anbindung an den öffentlichen Verkehr. Unser Ziel ist klar: Betriebskosten senken und gleichzeitig die Qualität für unsere Besucherinnen und Besucher steigern. Unter www.shoppitivoli.ch/umweltbewusstsein informieren wir über unsere Aktivitäten der letzten Jahre.


Welche beeinflussbaren Faktoren kann das Shoppi Tivoli in Zukunft noch besser machen?

Wir müssen uns ständig weiterentwickeln. Der wichtigste Faktor ist der richtige Nutzungsmix und das richtige Marketing. Dazu kommen Themen wie Aufenthaltsqualität, Erreichbarkeit, Events und die richtige Mieterstruktur. Die Reise geht klar Richtung «Quartier statt Mall».


Und wie real ist die eingangs erwähnte Krise im stationären Detailhandel aus Ihrer Sicht wirklich?

Die Krise im stationären Detailhandel ist selektiv. Schlechte Standorte und austauschbare Konzepte haben es zunehmend schwer, das ist Realität. Gleichzeitig sehen wir, dass gut positionierte Standorte mit einem klaren Profil weiterhin wachsen. In den letzten Jahren hat sich diese Entwicklung sogar verstärkt: Die Schere geht deutlich auseinander. Man sieht auch, dass gewisse Innenstädte unter Druck geraten, unter anderem durch veränderte Rahmenbedingungen wie Erreichbarkeit oder fehlende klare Positionierung. Am Ende entscheidet nicht der Kanal «stationär oder online», sondern die Qualität des Angebots, die Frequenz und die Relevanz für den Kunden.


Sie haben selbst prognostiziert, dass in der Schweiz rund 20 bis 25 Prozent der Retailflächen verschwinden könnten. Welche Faktoren neben dem Standort entscheiden über Verbleib oder Verschwinden?

Entscheidend sind: Lage, Frequenz, Nutzungsmix, Anpassungsfähigkeit und Offenheit gegenüber Neuem. Mein Tipp für Ladenbesitzer: Nicht nur Fläche mieten, sondern ein Teil eines funktionierenden Systems sein. Und sich konsequent auf den Kunden ausrichten.


Die Richtung für die Zukunft ist noch mehr «Quartier statt Mall».


Inwiefern ist der Online-Handel noch Gegner für Einkaufzentren wie das Shoppi Tivoli?

Der Online-Handel ist kein Gegner mehr, sondern Teil der Realität. Online und stationär wachsen zusammen, und die starken Händler nutzen heute beide Kanäle konsequent. Was aber klar gesagt werden muss: Es gibt Wettbewerbsverzerrungen, insbesondere bei gewissen internationalen Online-Anbietern, etwa aus China. Diese profitieren teilweise von Rahmenbedingungen bei Zoll, Regulierung oder Standards, die wir in der Schweiz so nie akzeptieren dürfen. Das ist aus meiner Sicht nicht fair und hier ist die Politik gefordert. Unabhängig davon bleibt entscheidend, dass ein Einkaufszentrum einen klaren Vorteil hat. Denn Erlebnis, Begegnung, Gastronomie, Beratung und Emotion lassen sich online nicht ersetzen.


Welche Branchen stehen unter Druck und welche werden weiter wachsen?

Klassische Textilkonzepte ohne Profil oder austauschbare Anbieter stehen weiterhin unter Druck. Ein Wachstum sehe ich bei der Gastronomie und Dienstleistungen wie Fitness, Beauty und Gesundheit sowie bei Erlebnis- und Freizeitangeboten.


Ihr Wunsch an die Zukunft?

Mein Wunsch an die Zukunft ist, dass wir mutig bleiben. Die Branche darf nicht verwalten, sie muss gestalten. Wenn wir Orte schaffen, an denen Menschen gerne Zeit verbringen, dann hat der stationäre Handel eine sehr starke Zukunft. Gleichzeitig wünsche ich mir von der Politik verlässliche Rahmenbedingungen und den nötigen Handlungsspielraum für den stationären Handel. Es braucht faire Wettbewerbsbedingungen, insbesondere im Zusammenspiel mit dem Online-Handel aus China. Der Wandel ist Realität, und das Rad lässt sich nicht zurückdrehen. Umso wichtiger ist es, dass wir den Wirtschaftsstandort Schweiz stärken und die richtigen Voraussetzungen für die Zukunft schaffen.


Weitere Infos unter: https://www.shoppitivoli.ch/

 
 
 

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