Wettingen feiert: Lueg ine!
Das Klosterjahr 2027 im Kanton Aargau lädt dazu ein, in eine faszinierende Welt einzutauschen, die unsere Region über Jahrhunderte geprägt hat. Anlass sind zwei bedeutende Gründungsjubiläen: 1000 Jahre Kloster Muri, 800 Jahre Kloster Wettingen. Diese Klöster waren ein Hort der Religion, der Bildung, des Wissens, der Macht, sie haben unsere westliche Kultur entscheidend mitgeprägt – und sollen es in vielerlei Art und Weise auch noch lange tun. Mit einer von Januar bis Dezember 2027 gebotenen «Perlenkette» an Veranstaltungen, Projekten, Ausstellungen, Aufführungen und kirchlichen Anlässen will Wettingen sein Kloster der Bevölkerung und allen Interessierten aus nah und fern näherbringen. Am 21. Januar 2027 erscheint dazu ein ausführliches Programm in Form der «Klosterwelle». Ganz nach dem vom Kanton geschaffenen Motto «Lueg ine».

Das 1227 gegründete Zisterzienserkloster Wettingen hat eine bewegende Geschichte hinter sich und feiert 2027 das 800-Jahre-Jubiläum.
Klosterlandschaft Aargau ist kulturelles Erbe
Rund zwanzig Klöster, Chorherrenstifte und Ritterordensniederlassungen prägten über Jahrhunderte die historischen Entwicklungen, die Gesellschaft und die Landschaft auf dem heutigen Kantonsgebiet. Der Kanton Aargau feiert im Jahr 2027 das kantonale Themenjahr «Klosterjahr 2027» anlässlich der grossen Jubiläen der beiden bedeutenden Klöster Kloster Muri (1000 Jahre) und Wettingen (800 Jahre).
Die Aargauer Klöster sind regional, kantonal sowie gesamtschweizerisch als Orte des Glaubens, aber auch der Macht und des Wissens von Bedeutung. Mit ihrem ausgedehnten Grundbesitz waren sie über Jahrhunderte bedeutende Wirtschaftsfaktoren für die Region und teils weit darüber hinaus. Über ihre Besitzungen, Herrschaftsrechte und seelsorgerischen Tätigkeiten wirkten die Klöster in unzählige Gemeinden und Städte des heutigen Kantons Aargau hinein. Nachdem der Grosse Rat die Aufnahme von Novizen verboten und die Klosterschulen aufgehoben hatte, stellte er 1835 die Klöster vollständig unter staatliche Verwaltung. Im Jahr 1841 erfolgte die Aufhebung aller aargauischen Klöster. Dieser Moment markiert eine tiefgreifende Zäsur in der Geschichte des noch jungen Kantons Aargau. Trotzdem sind die Klöster bis heute als Zentren der Kultur, Bildung und Spiritualität bedeutsam, sei es als aktive Klöster oder als öffentliche Institutionen und Organisationen in umgenutzten Klosterräumlichkeiten. Die Klosteranlagen zählen zu den wichtigsten Baudenkmälern im Kanton Aargau, die unter kantonalem und teils nationalem Denkmalschutz stehen. Daher ist die Klosterlandschaft Aargau ein wichtiges Kulturerbe. Anlässlich des kantonal orchestrierten «Klosterjahrs 2027» werden die Geschichte und die kulturelle Bedeutung der Aargauer Klöster gewürdigt und einem breiten Publikum zielgruppengerecht vermittelt. Neben Erwachsenen und Kulturtouristinnen und -touristen werden gezielt auch Familien, Jugendliche, Schülerinnen und Schüler, Studierende sowie Gruppen wie Schulklassen, Vereine und Unternehmen angesprochen. Für das Jahr 2027 ist seitens des Kantons zudem ein quartalsweise erscheinendes Magazin vorgesehen, in dem auch alle Anlässe der Standortgemeinden redaktionell aufbereitet und vorgestellt werden.
Gründung des Klosters Wettingen
Das zisterziensische Kloster Wettingen wurde 1227 von Heinrich II. von Rapperswil gestiftet. Eine Legende will, dass er in Seenot Maria, die Mutter Gottes, um Hilfe anrief und ihr bei Rettung ein Kloster versprach. Der Sturm legte sich. Am Himmel erschien ein heller Stern (Stella Maris), den Heinrich als Zeichen der Mutter Gottes deutete. Nach dem Kauf der Liegenschaft der Herren von Dillingen, der Zustimmung des zisterziensischen Generalkapitels und des Bischofs von Konstanz, erfolgte die Gründung. Wie üblich wurde ein Mutterkloster gesucht, welches einige Mönche ins neue Kloster sandte. So kamen die ersten zwölf Mönche aus dem Zisterzienserkloster Salem bei Überlingen nach Wettingen. Sie begannen 1227 mit dem Bau der Klosteranlage. Heute befindet sich darin die Kantonsschule Wettingen. Nachdem das Kloster 1507 einem verheerenden Brand fast vollständig zum Opfer fiel, war das klösterliche Leben durch die Reformation 1529 schon wieder in Gefahr. Die meisten Mönche traten zum neuen Glauben über und heirateten. Bis sie jedoch finanziell selbständig sein konnten, lebten sie weiterhin im Kloster. Ein monastisches Leben in Stille und im Glauben war nicht mehr möglich. Kaum hatten die katholischen Mönche «ihr» Kloster zurück, wurden sie von einer weiteren Pestwelle erfasst. Peter Schmid wurde 1594 zum Abt des Klosters Wettingen gewählt. Er trat an, um dem Kloster wieder zur Blüte zu verhelfen. Viele neue Gebäude entstanden. Er setzte aber auch neue Regeln auf, um das klösterliche Leben wieder in die Gemeinschaft zu bringen. Eine gute Ausbildung der Mönche war für ihn sehr wichtig. Für die Einnahmen sorgten nach 1651 die beiden römischen Katakombenheiligen Getulius und Marianus. Dieser Kauf brachte Pilger nach Wettingen und mit ihnen auch Spenden in Form von Geld. Noch heute zeugen die mitten in der Altstadt von Zürich stehenden «Wettinger Häuser» von diesem grossen Reichtum. 1841 wurde im Grossrat in Aarau die Auflösung der aargauischen Klöster beschlossen. Die Wettinger Mönche hatten 48 Stunden Zeit, um ihr Heim zu verlassen. 13 Jahre dauerte es, bis die Wettinger Zisterzienser in Mehrerau bei Bregenz (A) eine neue Heimat finden konnten. Sie leben bis heute dort. In Wettingen zog 1843 das Lehrerseminar ein, seit 1976 ist das Kloster eine Kantonsschule.

Das Jubiläumslogo: Die Meerjungfrau wird im Kloster Wettingen teils mit Beinen, teils mit zwei Fischen dargestellt.
Wettingen plant Festjahr für alle
Das 1227 gegründete Zisterzienserkloster Wettingen zelebriert darum im 2027 ein Jubiläumsjahr mit verschiedensten Events, Konzerten, Publikationen und Projekten. Statt das krampfhaft Belehrende zu präsentieren hat das OK Ideen gesammelt und bietet eine Entdeckungsreise in die Geschichte, Gegenwart und Zukunft einer Institution, die acht Jahrhunderte überdauert hat. Im September 2025 erteilte der Wettinger Einwohnerrat dem Gemeinderat einen offiziellen Auftrag, das Klosterjubiläum 2027 würdig zu zelebrieren und damit ein möglichst breites Publikum anzusprechen. Dafür wurde ein bescheidenes Budget bewilligt, verbunden mit dem Auftrag, eine entsprechende Organisation vorzunehmen. Dem einige Tage später gegründeten OK unter dem Präsidium von Philippe Rey war zwar bewusst, dass der Zeit- und Finanzdruck engste Rahmenbedingungen setzen würde. Aber es galt auch, hohen Erwartungen an das Zelebrieren von immerhin 800 Jahre Geschichte zu genügen. Dem OK wurde rasch bewusst, dass dem Klosterjubiläum mit einem einzigen Anlass nicht gerecht werden könne. Vielmehr sollte mit einem Strauss von Aktivitäten und Projekten einem breiten Publikum gezeigt werden, dass das Kloster Wettingen nicht nur in der Vergangenheit, sondern auch in der Gegenwart grossen Einfluss auf Glaube, Macht und Wissen hatte und bis heute von grosser Bedeutung ist. Und dass dieser Einfluss auch für die Zukunft wichtig ist.
In der für Wettingen typischen pragmatischen Vorgehensweise wird von Januar bis Dezember 2027 eine «Perlenkette» mit verschiedenen Projekten geboten, mit kulturellen, pädagogischen, soziokulturellen, theatralischen, aber auch sportlichen, religiösen und interdisziplinären Aspekten, die insgesamt ein möglichst grosses Publikum erreichen sollen. Trotz der kurzen Vorbereitungszeit und der bescheidenen Ressourcen verfolgt das Organisationskomitee mit dem Klosterjubiläum ein klares Ziel: Haltung zu zeigen, das Bewusstsein für Geschichte und Gegenwart zu fördern und stärken sowie unser kulturelles Erbe zu feiern - mit einem ganzjährigen Fest für alle.
Text: Philippe Rey Bild: Michel Jaussi / Aargau Tourismus AG
Herzlichen Dank.

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